• Dieter Maiwert

Liebesapfel vs. Goldapfel

Angeblich schätzten die Italiener die Tomate bereits im 16. Jahrhundert als Delikatesse und tauften das ursprünglich gelbe, aus Ecuador stammende Fruchtgemüse pommo d'oro (Goldapfel). Die Franzosen hingegen liebten die Tomate nicht des Geschmacks, sondern verzehrten im 18. Jahrhundert das Nachtschattengewächs der geglaubten aphrodisierenden Wirkung wegen und nannten sie sinnig pomme d'amour (Liebesapfel). Ob die Tomate, verkannt als Lustverstärker, deshalb errötete, weiß keiner. Die Österreicher und Deutschen hießen die Tomate Paradeiser beziehungsweise Paradiesapfel.


Die Tomate wird heute fast weltweit angebaut. Je nach Klimazone werden die allgemein frostempfindlichen Stock- oder Stab Tomaten gepflanzt, in trockeneren Gebieten, die eher niedrig bleibenden Buschtomaten. Jede Tomatensorte hat einen anderen Geschmack, Festigkeit, Wassergehalt, Form und Größe. Die tiefroten Flaschentomaten eignen sich bestens für Chutneys und Sebeh. Die großen Fleischtomaten, auf sonnigem Freiland gewachsen, sind prädestiniert für Suppen oder Soßen aber auch für Salate und Vorspeisen. Die Tomate ist in der Küche universell einsetzbar und die Variationsmöglichkeiten sind schier unerschöpflich. Die Tomate harmoniert mit fast allen Essig., Öl- und Kräutersorten, sogar Minze. Eine Tomaten-Ingwer-Honig-Salsa schmeckt ebenso. Mit der vitamin- und mineralstoffreichen Frucht wurde viel herumexperimentiert.


Eine großartige Idee in Holland war es damals, Tomaten mit Handbällen zu kreuzen, damit diese beispielsweise einen freien Fall aus zwei Meter Höhe völlig schadfrei überstehen konnten. Das Problem war nur, dass man vergaß, ihr auch noch Geschmack einzuhauchen. Oftmals wurden diese Tomaten als probate Argumentationshilfe bei politischen Demonstrationen zweckentfremdet. Mittlerweile aber sind die Treibhaustomaten wieder essbar. Die besten weisen durch den geringeren Wassergehalt und durch spezielle Nährlösungen sogar ein besonders gutes süß/sauer Verhältnis (Säurespiel) auf und sind sehr aromatisch.


Treibhäuser machen es möglich, die Zeiten ändern sich.

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