• Dieter Maiwert

Qualitätslügen

Bekanntlich hat auch das Schlechteste seine guten Seiten. Im günstigsten Fall kann daraus sogar ein Erzeugnis höchster Qualität werden. Das Wort Qualität ist aus dem Lateinischen (qualitas) abgeleitet und bedeutet Eigenschaft oder Beschaffenheit. Wenn zum Beispiel in allen Phasen des Herstellungsprozesses „nicht geschludert" wurde und alle Maßnahmen, die man getroffen hat, dem Gleichbleibenden dienen, jedenfalls für eine bestimmte Zeit, dann ist ein Qualitätsprodukt erschaffen worden. Nur so ist es erklärbar, dass Tiefgefrorenes, Eingedostes und Pülverchen für Suppen und Soßen allesamt ein Qualitätserzeugnis sind. Meist kurz auch „Premium-Qualität" genannt.

Deshalb sind auch die in Brackwasser aufgezogenen vietnamesischen Garnelen, die aufgrund der miserablen Wasserqualität gerade eben noch bis zum gewünschten Wachstum überleben können und nach dem Garen meist mehlig sind, wegen dieser stets gleichen „Beschaffenheit" ein

Qualitätsprodukt. Sogar wird auf die immer gleiche „Eigenschaft" geachtet, nämlich der nach dem Garen meist fischige und leicht nach Ammoniak erinnernde Geruch. Ich empfehle, darauf zu verzichten. Fast zynisch nennt sich dieses Brackwassergetier Freshwater-Garnele.

Notabene: Der König unter den Kloaken- oder Latrinenfischen ist übrigens der Pangasius aus der gleichen Gegend. Er brilliert mit schnellem Wachstum, schmeckt nach nichts und ist preislich äußerst günstig. Für Schnäppchenjäger ein gefundenes Fressen.

Besondere Qualität verspricht auch der Zusatz „Bio". Es ist nicht falsch anzunehmen, dass auffallend schön aussehendes Gemüse und Obst nicht zwingend auch das wohlschmeckendere und gesündere sein muss, doch die Umkehrung ist genauso zu bezweifeln. Manchmal hege ich den Verdacht, dass alles, was klein, hässlich oder verschrumpelt ist, mit dem Qualitätssiegel „Bio" werbewirksam noch verkaufbar gemacht werden soll. Der unstillbare Appetit auf Gewinnmaximierungen und die zum Teil gänzliche Abwesenheit von Regulierungen führen dazu, dass auf nichts mehr Verlass ist. Nicht einmal auf die Werbeversprechen. Immer mehr Menschen reagieren befindlich bis hin zu lebensbedrohlichen, allergischen Reaktionen auf immer mehr Nahrungsmittel und Zusatzstoffe. Verlässlichkeit ist also besonders geboten bei den Zutatenlisten von sogenannten Fertigprodukten. Im Einklang mit der Lebensmittelzusatzverordnung arbeiten aber die Hersteller erfolgreich daran, Zusatzstoffe auf den Etiketten der Lebensmittel streichen zu können. Obwohl alle verwendeten Zutaten aufgeführt werden müssen, gibt es einen Trick, sich einiger zu entledigen: Die fast kafkaesk zu wertende Verwandlung einer Zutat in eine Nichtzutat! Bei technischen Hilfsmitteln, wie chemischen Substanzen, die beispielsweise lediglich irgendwas im Brotteig regulieren, im gebackenen Brot aber keine Funktion mehr haben, oder Lösungsmittel zur Entkoffeinierung von Kaffee, dass sich (höchstwahrscheinlich) nach der Tat in Wohlgefallen auflöst, müssen die Zutaten auf dem „Beipackzettel" nicht aufgeführt werden. Keine „Funktion" im Endprodukt ist eine Nichtzutat.

Verwirrung stiften auch die ganz legalen Umbenennungen von Zusatzstoffen.

Die Wortschöpfungen, insbesondere für das allseits bekannte (Mononatrium-) Glutamat sind schier endlos. Von schlicht „Aromastoffen" genannt über „autolysiertes Hefeprotein" oder „Hefe-Nährstoffe" bis hin zu „hydrolisiertem Protein", aus was-weiß-der-Kuckuck gewonnen, ist immer der Zusatzstoff Glutamat gemeint. Letztlich ist der Verkaufspreis häufig ein Indiz der zu

erwartenden Qualität. Wein, der so billig ist, wie eine gute Flasche Mineralwasser, kann genauso wenig schmecken, wie ein ganzes Hähnchen oder ein Kilogramm Schweinenacken für unter 5 Euro. Das Teurere sollte im Zweifel die bessere Wahl sein - oder Sie üben sich im Verzicht. Auch jeden Tag das beste wird auf Dauer nicht befriedigen.

 

 

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