• Dieter Maiwert

Weinproben

Weinproben sind manchmal lehrreich, häufiger aber sehr lustig. Keine außergewöhnliche Nase noch Gaumen sind nötig, wie zu erwarten wäre, sondern ein überdurchschnittliches Assoziationsvermögen gepaart mit Fantasie.


Je höher die Bildung, desto lustiger fallen die Versuche aus, Geschmack und Geruch der Weine in Worte fassen zu wollen. Zur Freude aller. Diese Art von Geschwätzigkeit auf höherem Niveau bereicherte immer schon die ansonsten trockenen Degustationen. Zwar umfasst die Weinsprache eine Vielzahl gängiger, unter Experten verständlicher Grundbegriffe, jedoch kommen auch die Profs ins Schleudern, wenn das Fachvokabular für untergeordnete, feinere Nuancen nicht mehr ausreicht.


Wird zum Beispiel ein #Wein als „animalisch" bezeichnet, also auch mit den Gerüchen von „nassem Leder", „Kuhstall" oder Ähnlichem verglichen, so trifft dies für viele andere Rotweine ebenso zu. Feinere Differenzierungen müssen Abhilfe schaffen. Meist sind es die spontanen Wortschöpfungen, die nicht unwesentlich dazu beitragen. Aus profanem Gelaber entsteht so hörbar profundes Weinwissen. Die Wahrnehmungen sind ebenso geschärft, und es wird assoziiert, dass sich die Balken biegen. Es wird fabuliert von Thymian, Moos und frisch gepflückten Veilchen und z.B. von Dingen die weich sind, währenddessen aber die Abgänge nicht gleich sind. Oder der Wein riecht wie die A9 bei Sommerregen in der Ferienzeit. Dann aber ist der Wein bereits oxydiert. Möglicherweise ist er an einem Sauerstoffschock erkrankt, durch die Unsitte des unauhörlichen Schwenken des Weinglases. Wein verändert sich nun mal stets und reagiert empfindlich auf alles, was ihm widerfährt. Bei einer alkoholtoxischen Wesensveränderung besteht wenigstens die theoretische Möglichkeit, dass ein besserer Charakter zu Tage tritt.


Ein Fehler im Wein jedoch ist irreparabel und er bleibt in der Regel miserabel. Auch Zeit heilt nicht immer. Ebenso von unschätzbaren Wissen ist, dass im Wein exakt der Geruch wahrgenommen wird, der zuerst zur Sprache kommt. Je länger zum Beispiel nach dem Duft

einer vermeintlichen Stachelbeere in einem Glas Sauvignon gefahndet wird, desto deutlicher tritt er zu Tage. Viele Traubensorten beherbergen eine so große Aromenvielfalt, dass mit hoher Wahrscheinlichkeit auch der Vergleich mit Äpfeln und Birnen nicht hinkt. Sogar scheinbar Vorhandenes kann deutlich dominanter hervortreten als kaum Wahrnehmbares.


Im Wein liegt vielleicht nicht immer die Wahrheit, die einen sagen lässt, was stimmt.

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